nächste Seite previous Seite

Zurück ins Buch

Landschaft mit Kuh

Landschaft mit Kuh

Auf diesem Blatt befinden sich zwei Zeichnungen mit Szenen aus dem bäuerlichen Leben. Die obere Zeichnung zeigt zwei Kühe auf einem Salatfeld. Die vordere Kuh steht mit dem Rücken zum Betrachtenden, wendet sich uns jedoch zu und schaut uns direkt an. Sie nimmt den größten Teil des Bildes ein und wirkt dabei sehr präsent. Im Hintergrund liegt eine weitere Kuh seitlich auf dem Feld, welche sich jedoch vom Betrachtenden abwendet. Ein Hirte in der rechten oberen Bildecke überblickt auf seinen Hirtenstab gestützt die Szenerie. Die untere Zeichnung zeigt eine Alltagsszene auf einem Hof. Im Vordergrund steht ein Pferd, das von einer männlichen Figur gesattelt wird. Aufgrund der räumlichen Anordnung der Figur hinter dem Pferd erscheint diese teilweise verdeckt, lediglich ihre Beine und das Gesicht im Profil bleiben deutlich erkennbar. Im Hintergrund liegt ein weiteres Pferd, das den Betrachtenden direkt anzuschauen scheint.

Die Zeichnungen sind Kopien nach Druckgrafiken von dem niederländischen Kupferstecher Boëthius Adams Bolswert (1581-1633), die auf Entwürfen des niederländischen Künstlers Abraham Bloemaert (1564-1651) basieren. Die zwei Grafiken sind Teil einer Serie mit vierzehn Drucken mit dem Titel Pastoralen, die erstmals 1611 veröffentlicht wurden (Bild sehen) (Bild sehen)(Bild sehen). [1] Die Entwürfe von Bloemaert erfreuten sich großer Beliebtheit, was dazu führte, dass zahlreiche Kopien seiner Serie existieren.

Das genaue Kopieren oder auch Nachahmen von Vorlagen war ein wesentlicher Bestandteil des Zeichenstudiums. Die laienhaften Künstler übten durch das Kopieren des menschlichen Körpers, von Landschaften und Tieren, diese akkurat darzustellen. Dies erfolgte häufig über in Lehrbücher für Zeichenkunst integrierte Musterbücher. [2] Jedoch sind auch niederländische Druckgrafiken im 17. Jahrhundert ein Bestandteil des Zeichenstudiums von Laien. [3] Das Hauptziel dieser Übungen bestand darin, die Hand zu trainieren, ihr die erforderlichen feinmotorischen Fertigkeiten beizubringen und die Entwicklung einer präzisen Linienführung zu fördern. [4]

Die vorliegenden Zeichnungen unterscheiden sich in einigen Punkten von dem Original. In der Vorlage für die obere Zeichnung befindet sich eine weitere Kuh hinter der liegenden Kuh, von der die Betrachtenden lediglich den Kopf erkennen können. Bei der Kopie wird diese zwar anhand der Hörner angedeutet, jedoch kann diese ohne die Vorlage nicht eindeutig als Kuh identifiziert werden. Die untere Zeichnung unterscheidet sich von der Vorlage in der Darstellung der männlichen Figur. So ist der Hut weniger detailreich ausgearbeitet und die Füße schemenhaft. Das Gesicht wird in der Vorlage durch den Hut größtenteils verdeckt, wohingegen die Kopie das Gesicht deutlicher darstellt.

Autor:in: Vanessa Rieckmann

Fußnoten

[1] Vgl. Hollstein‘s Dutch and Flemish Etchings, Engravings and Woodcuts 1450-1700 Vol.III : Boekhorst – Brueghel, hrsg. v. Friedrich Wilhelm Heinrich Hollstein, Amsterdam 1950, S. 67, Kat. Nr. 325 und 326.

[2] Vgl. Punkt, Punkt, Komma, Strich. Zeichenbücher in Europa ca. 1525 – 1925, hrsg. v. Maria Heilmann, Nino Nanobashvili, Ulrich Pfisterer, Tobias Teutenberg, Ausst.-Kat. München, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Passau 2014, S. 34 u. 114.

[3] Vgl. Mareike Hansen: Tinte, Tusche und Rötelstift. Skizzen nach niederländischer Druckgrafik, in: Kunstpflege in Bibliotheken – Kür oder Pflicht? Wege zur Sichtbarmachung forschungsrelevanter Druckgrafik an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, hrsg. v. Sophia Kunze / Christina Posselt-Kuhli / Antje Theise, Hamburg 2020, S. 113 – 121, hier S. 120.

[4] Vgl. Punkt, Punkt, Komma, Strich. Zeichenbücher in Europa ca. 1525 – 1925, hrsg. v. Maria Heilmann, Nino Nanobashvili, Ulrich Pfisterer, Tobias Teutenberg, Ausst.-Kat. München, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Passau 2014, S. 34.