Im Skizzenbuch von Joachim Etzekiel Levezow sind sieben Landschaften enthalten, die dem niederländischen Künstler Jan van de Velde II (1593-1641) nachempfunden sind. [1] Die Radierungen von van de Velde II stellen den zweiten Teil einer Landschaftsserie dar, welche den Titel Amoenissimae aliquot regiunculae trägt und im Jahr 1616 gedruckt wurde. Diese Serie umfasst insgesamt sechzig Drucke von Landschaften, die in fünf Teile zu je zwölf Drucken unterteilt sind. Die Landschaften stellen sowohl identifizierbare Umgebungen als auch imaginäre Szenen dar, wobei die Grenzen häufig verschwimmen. [2] Die Grafiken zeigen niederländische Landschaften, die charakteristische Elemente wie Bauernhöfe, Windmühlen und Kirchen enthalten. Zusätzlich zu den niederländischen Gebäuden sind auch antike Ruinenkomplexe Teil der Szenerien. Zudem integriert van de Velde II auch Gebäude aus anderen Kontexten wie beispielsweise Rom in seine Landschaftsdarstellungen. Die Anwesenheit von Figurenstaffagen in den Landschaften belebt die Szenen, wodurch van de Velde II lebendige und abwechslungsreiche Darstellungen erschafft. Mit Jan van de Velde II entwickelte sich ein neues Verständnis der Landschaftsmalerei im 17. Jahrhundert, welches die früheren flämischen Traditionen ablöste. Anstelle der imaginierten und bergigen „Weltlandschaften” der flämischen Kunst wurden flache, oftmals nicht-narrative und realitätsnahe Darstellungen der niederländischen Landschaft beliebt. [3]
In den sieben Zeichnungen von Levezow nach van Velde II sind sowohl imaginäre als auch reale Landschaften vertreten. Diese beinhalten Ruinen, Seen, einen Hafen, Türme, Bauernhöfe und eine Festung innerhalb einer imaginären, flachen Landschaft mit eingefügten Figurenstaffagen. Eine Abweichung stellt Levezows Zeichnung einer Schlossruine dar, bei welcher es sich um das zwischen 1572 und 1573 zerstörte Huis ter Kleef bei Haarlem handelt. [4] Eine weitere Zeichnung zeigt eine von van de Velde II selten produzierte Winterlandschaft, die eine zeitliche Dimension in die Serie einbringt. Diese Darstellung des Winters steht im Kontrast zu den sonst vorherrschenden Darstellungen, in denen lediglich schönes Wetter dargestellt wird, wodurch die Szenerien beliebig im Zeitraum zwischen Frühling und Herbst verortet werden können. [5] Anhand des Skizzenbuches von Joachim Etzekiel Levezow kann nachvollzogen werden, wie groß das Interesse an niederländischen Druckgrafiken war und wie diese Grafiken in den Zeichenstudien von laienhaften Künstlern genutzt wurden. [6]
[1] Vgl. Dutch & Flemish Etchings, Engravings and Woodcuts 1450-1700 [34]: Jan van de Velde II, komp. v. Ger Luijten u. Christiaan Schmuckman, hrsg. v. D. De Hoop Scheefer, Roosendaal 1989, S. 126, NH. 245 (I); S. 127, NH. 247 (I); S. 128, NH. 248 (I); S. 128, NH. 249 (I); S. 129, NH. 250 (I); S. 129, NH. 252 (I); S. 131, NH. 255 (I).
[2] Vgl. Robert Fucci: Landscape into History. The Early Printed Landscape Series by Jan van de Velde II (1593-1641), Petersberg 2018, S. 103 u. 105.
[3] Vgl. Fucci 2018, S. 1.
[4] Vgl. Fucci 2018, S. 97.
[5] Vgl. Fucci 2018, S. 106.
[6] Vgl. Hansen 2020, S. 120.