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Kiebitz

Kiebitz

Der Kiebitz gehört zu der Gruppe von Vögeln im Levezow-Album, die mit größter Präzision und Ansprüchen an ihre Naturtreue gezeichnet sind. [1] Ein Alleinstellungsmerkmal des Kiebitz ist dabei allerdings, dass er der einzige Vogel ist, dem ursprünglich eine komplette Doppelseite gewidmet war. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde diese jedoch aufgelöst, so dass sich die Füße des Vogels heute auf fol. 1b recto   befinden, während der Körper auf fol. 61a verso   – und damit näher an seinem ursprünglichen Kontext zu den übrigen Vogeldarstellungen – zu finden ist. Auch wenn der Kiebitz von der Art seiner Darstellung her derjenigen in Conrad Gesners Historiae animalium liber III qui est de avium natura (Zürich: Froschauer, 1555) [2] Bild sehen ähnelt, dürfte er auf eine unbekannte dritte Quelle zurückzuführen sein. Anders ist die große Präzision in der Kolorierung des Gefieders nicht erklärbar. Da die naturkundlichen Holzschnittillustrationen der Frühen Neuzeit – wie etwa bei Gesner – in der Regel nicht koloriert waren, könnte Levezow entweder einen Kiebitz nach der Natur studiert haben, um das Gefieder derart naturgetreu wiedergeben zu können. Dies wäre sowohl in seiner angenommenen Lebenswelt in Nordostdeutschland möglich, aber auch anhand eines ausgestopften Präparates denkbar. Eine andere Möglichkeit wäre, dass sich Levezow an einem aquarellierten Zeichenalbum orientierte, von denen einige – etwa von Johann Jakob Walther d.Ä. aus den Jahren 1640-70 in der Albertina in Wien (Bild sehen) – überliefert sind.

Autor:in: Iris Wenderholm

Fußnoten

[1] Grundlegend zu der Kiebitz- und zu weiteren Vogeldarstellungen im Levezow-Album vgl. Michael Thimann: Pinsel, Farbe, Federn. Die Vogelbilder im Levezow-Album, in: Akte Antike Anatomie. Zeichnend die Welt erschließen, hg. v. Andreas Stolzenburg und Iris Wenderholm, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle, Petersberg 2024, S. 64-73.

[2] In der Ausgabe von 1585 befindet sich der Kiebitz auf S. 764.