Diese Seite im Levezow-Album wird dominiert durch einen handschriftlichen Text in Feder, der Zweidrittel der Seite einnimmt. Wie auch auf anderen Blättern sind hier senkrechte Hilfslinien am linken und rechten Rand gezogen, die eine ursprüngliche Nutzung des Buches als Kontor-Buch nahelegen [1] . Der Text hat vermutlich keinen Bezug zur Zeichnung. Er zeigt eine unruhige Handschrift mit Streichungen, Verwischungen und Flecken. Nach einer ersten Beurteilung ist es die Handschrift von J.E. Levezow. Man kann deshalb davon ausgehen, dass auch die Zeichnung von ihm stammt.
Die Zeichnung befindet sich im oberen Drittel des Blattes und ist um 90 Grad in ein Querformat gedreht. Wir sehen auf der rechten Seite die Darstellung eines weiblichen Aktes in Dreiviertel Rückenansicht und in gedrehter Körperposition. Sie sitzt auf einem rechteckigen Quader, der an der linken kurzen Seite eine halbkreisförmige Aussparung hat. Der Quader steht auf einem kleinen Podest. Das rechte Bein wird vor dem Quader abgestützt, das linke wird vor der rechten kurzen Quader-Seite aufgesetzt. Der linke Fuß ist nicht sichtbar. Der rechte Arm wird über den Kopf gehalten und an einem Faden schwingt ein Senkblei. Der freie Fäden verläuft von der rechten Hand zur linken Hand, die einen Winkel hält. Der kurze Winkelanteil ist am Ende abgebrochen, der lange Anteil wird vom Körper weitgehend verdeckt. Die Linien im oberen Bereich haben keinen Bezug zur Zeichnung, sondern sind dem Umstand geschuldet, dass der Zeichner ein Kontor-Buch als Zeichengrund nutzte. Wir sehen nur den Hinterkopf der Frau mit einer kunstvollen Frisur und einem kleinen Zopf. Kopf, rechter Arm, rechte Schulter, Brust, Bauch und linker Oberschenkel sind mit Schraffuren versehen. Im Hintergrund ist links ein Säulenschaft auf einer Plinthe und attisch-ionischer Basis zu erkennen. Dahinter ist die Ecke eines angedeuteten Gebäudes denkbar. Am oberen Rand ist eine der Säule entsprechende Plinthe und Basis dargestellt. Rechts vom linken Bein befinden sich angedeutete Quader und Plinthen. Insgesamt handelt es sich um eine unvollständig ausgeführte Zeichnung mit mehreren schwarzen Tinten-Flecken. Von der linken Hand sind nur die Finger, aber kein Arm sichtbar. Der Schnurverlauf zum Senkblei ist gebogen. Die Proportionen sind nicht korrekt wiedergegeben. Die Darstellung der Zehen wirkt „zipfelig“.
Aufgrund der Komposition mit einer unbekleideten Frau, einem Senkblei und einem Winkel handelt es sich möglicherweise um die unvollendete Zeichnung einer Personifikation der Baukunst oder Architektur. Diese wird häufig mit den Attributen Zirkel, Bauplan, Winkel und Senkblei dargestellt (Bild sehen). Alberti stellt in De Pictura die Frage, ob nicht die Malerei „als Lehrmeister aller übrigen Künste oder doch ihr wichtigster Schmuck zu gelten habe“ und wandte sich dabei gegen „Vitruvs Anspruch, der Architekt übertreffe alle anderen Künstler und die übrigen Künste unterlägen seiner Beurteilung. [2] Eine Vorlage für diese Zeichnung konnte bisher bei der Recherche und bei der Durchsicht der Werke z.B. von Cesare Ripa [3] nicht gefunden werden.
[1] Hinweis von Dr. Martin Hirschboek.
[2] Oskar Bätschmann /Christoph Schäublin (Hg.): Leon Battista Alberti. Das Standbild, die Malkunst, Grundlagen der Malerei, Darmstadt 2000, S. 100.
[3] Vgl. Cesare Ripa/Jean Baudoin: Iconologia overo descrittione di diverse imagini cavate dallántichità e di propria invention, Nachdruck der Ausgabe Paris 1644, Dijon 1999.